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Apr
2016
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Reise für TOGETHER Nepal im März 2016

Am 22.03.2016 konnte ich endlich wieder in den Flieger steigen, um meine Freunde im Nepal zu besuchen und meine therapeutische Arbeit dort fortzusetzen. Im Gepäck hatte ich eine Menge Spiele für die Kinder von Changu Narayan und das Schulgeld für 17 Patenkinder und 5000 Euro Spendengelder.

Meine ersten Eindrücke, die ich in den Rundmails geschildert habe, könnt Ihr hier noch einmal mit verfolgen.
Pradibna und ich haben in dieser Zeit den TOGETHER Nepal Fund gegründet, der Frauen in schwierigen Lebensbedingungen eine Ausbildung ermöglicht und zudem eine Verbesserung der hygienischen Verhältnisse zum Ziel hat.
Zudem habe ich in dieser Zeit mehr als 50 psycho-und körpertherapeutische Behandlungen durchgeführt.

Alles in Allem eine Bilanz, die sich sehen lassen kann!
Danke allen, die dies mit ihren Spenden ermöglicht haben und mein Projekt auch weiterhin unterstützen wollen!

Mehr Berichte und Fotos folgen in den nächsten Tagen.

 

23.03.2016

Hallo, Ihr Lieben,

vom nahen Kloster dröhnen die Trommeln und Hörner, die Gesänge der buddhistischen Mönche dringen herauf, auf der Straße unten bellen und raufen die wilden Hunde. Ich sitze bei Kerzenschein in meinem kleinen Zimmer, nicht aus romantischen Gründen, sondern weil es keinen Strom gibt. Der kommt nachts zwischen 02:00 und früh, wenn man ihn natürlich ganz dringend braucht.
Ich bin wieder zurück im Nepal! Und bin so froh darüber.

Ankunft 23-03

Doch bevor ich weiter schreibe, möchte ich mich noch einmal von ganzem Herzen bei allen Spendern und Paten bedanken. Dank Euch kann ich eine Summe von 5000 € zusätzlich zu den Schulgebühren für die Patenkinder übergeben. Das ist unglaublich, wirklich großartig!!!
Als ich gestern durch Kathmandu fuhr, war es so, als sei ich nie weg gewesen. Auch die behelfsmäßigen Behausungen aus alten Brettern und Plastikplanen stehen – leider – unverändert im Staub. Die einzige Neuerung besteht in einer weithin sichtbaren ordentlichen Nummerierung. Es sieht nicht danach aus, als könnten diese Menschen, die alles verloren haben, bald neue Wohnungen beziehen. Das ist der Zustand 1 Jahr nach dem Beben!

Die Unterstützung durch die Regierung, die ja wirklich hohe Summen an Hilfsgeldern bekommen hat, ist sehr dürftig. Das meiste geschieht nach wie vor durch private Initiativen.
Pradibna, der schon vor dem Beben seine ganze Kraft eingesetzt hat, um den Menschen im Dorf Changu das Leben zu erleichtern, hat mich gestern abgeholt. Wir haben uns gleich zusammen gesetzt und beraten, wo unser Geld am dringendsten benötigt wird. Mit einem Teil werden wir einen Fonds gründen, aus dem medizinische Behandlungen für Frauen und Kinder gezahlt werden können, denen das selbst nicht möglich ist, weil sie ihre Existenzgrundlage verloren haben. Dazu gehört auch Vorsorge, wie z.B. die Finanzierung von Moskitonetzen, damit es gar nicht erst zu Infektionen kommt.

Viele der Frauen und Mütter können nicht lesen und schreiben und sind in Fällen häuslicher Gewalt oft hilflos ausgeliefert. Und das wäre der nächste Punkt – Frauen, die das wünschen, die Möglichkeit zum Lernen zu geben, so dass sie unabhängiger werden und für den Lebensunterhalt von sich und ihren Kindern sorgen können. Ich denke, das ist auch in Eurem Sinne.

Das andere Geld wird auf Familien verteilt, um sie beim Wiederaufbau ihrer Häuser oder in anderen Notlagen zu unterstützen. Diese werden wir in den nächsten Tagen aussuchen.

Morgen werde ich die ersten Patenkinder besuchen und anschließend in einer improvisierten Praxis traumatisierte Menschen behandeln.

 

Seid alle ganz herzlich gegrüßt

von Katharina

 

 

25.03.2016

Hallo Ihr Lieben,

Mein Tag heute begann sehr früh, nach deutscher Zeit, nach der meine innere Uhr immer noch geht, kurz vor 02:00 Uhr. Hier war es kurz nach 07:00 und um 08:30 wollte mich Pradibna abholen, um ins Dorf zu fahren. Es hat ein wenig gedauert, bis ich wach war und dann wollte ich noch ein kleines Frühstück zu mir nehmen. Das ist um die Zeit nicht so einfach, da die Nepalesen erst später essen und die Touristen noch später. Doch ich hatte Glück: Eine winzige Teestube hatte schon auf. Darin saßen ein paar Mönche und die tibetische Wirtin. Unter Bedauern teilte mir der eine, der etwas englisch sprach, mit, dass es leider nur tibetischen Tee und Roti gäbe. Den Tee liebe ich! Mit Salz und Butter, richtig stark – hervorragend. Die Rotis begeistern mich nicht so, das sind Fladen aus Wasser und Mehl, ohne Salz oder sonst etwas. Aber ich hatte etwas im Bauch, bevor wir los fuhren.

Der Verkehr in Kathmandu hat stark abgenommen, der Dreck nicht. Vorbei an qualmenden Müllhaufen, an deren Rändern die heiligen Kühe nach Essbarem wühlen, durch Staub und Schlamm, auf Straßen, die nur noch schlechter geworden sind, bewegten wir uns Richtung Dorf. Aber selbst außerhalb der Stadt ist der Dunst noch so stark, dass wir den ganzen Tag die Sonne nur verschleiert wahrgenommen haben.

Als erstes haben wir Ajisha besucht, ein neues Patenkind. Ihr Haus ist noch bewohnbar – für nepalesische Verhältnisse. Tiefe Risse in den Wänden, das Dach zerstört und deshalb durch ein Wellblech ersetzt. Das Haus hat vier Zimmer, darin wohnen 7 Menschen. Im Untergeschoss wird gekocht. Da es immer noch nicht ausreichend bezahlbares Kochgas zu kaufen gibt und die Familie wirklich sehr, sehr arm ist, wurde der alte Lehmofen wieder aktiviert. Er sieht aus wie eine große umgestülpte Tasse, oben ist ein Loch, auf dem der Topf platziert wird, unten eins für das Feuer. Gleich neben dieser Küche ist der Platz für die kostbare Kuh und die Hühner. Eine schmale Stiege führt ins Obergeschoss mit den 3 winzigen Zimmern. Ich konnte kaum aufrecht darin stehen. Die Fenster, die einen wunderbaren Ausblick auf das Tal des Bagmati haben, besitzen keine Fenster. In der Regenzeit werden die Läden geschlossen, dann ist es eben dunkel.
Aber sie haben ein kleines Stück Garten mit Gemüse und blühenden Blumen!

Ajisha home

Ajisha home 1

Als nächstes besuchten wir Lokendra mit seiner Familie. Sie lebten bis zum Beben in Sindhupalchok, einem Distrikt in den Bergen. Ihr Dorf wurde vollständig zerstört. Bei Bekannten in Changu fanden sie Aufnahme, in einem Haus, in dem ein kleiner Teil noch bewohnbar ist. Es gibt keine Fenster, im Inneren ist es stockdunkel und rußgeschwärzt. Ich habe erst auf dem Foto mit Blitzlicht erkennen können, wie der Raum aussah. Und dennoch hat Lokendra seinen Mut nicht verloren und freut sich auf die Schule. Die Bilder allerdings, die er malt, zeigen, welches Heimweh er nach seinem Zerstörten Dorf in den Bergen hat.

Lokendra home 1

Lokendra home 2

Lokendra home 3

Nachdem wir noch 2 weitere Patenkinder besucht haben, die ähnlich leben, fuhren wir in Pradibnas Haus.

Und da war große Aufregung! Bei dem Erdbeben war die Wasserversorgung zusammengebrochen und das Wasserreservoir verschüttet worden. Und heute, endlich, funktionierte es wieder. Die Frauen hatten fast ein Jahr  lang Wasser von weit her tragen müssen. Pradibnas Frau, die ich noch von meinem letzten Besuch kannte, lief gleich auf mich zu, umarmte mich und erzählte die Neuigkeit.

Dann gab es erstmal leckeres Essen und wir haben über die Spenden gesprochen.
Ich habe Pradibna das Geld übergeben und wir haben die Gründung vom  TOGETHER Nepal Fonds für Frauen und Kinder vollzogen. Es ist ein wirklich gutes Gefühl, etwas tun zu können und Pradibna ist der beste und engagierteste Partner dafür, den man sich denken kann!

Gut gesättigt begann ich anschließend mit den Behandlungen. Es lief wieder nach dem gleichen Muster: die Frauen sagen, sie haben nur ein kleines Problem, z.B. mit den Schultern. Doch so nach und nach entrollt sich eine Geschichte von harter Arbeit und völliger Erschöpfung. Von einer Frau erfuhr ich schließlich, dass sie von einem Erdrutsch über 5 Stunden verschüttet worden war, bevor 5 Männer sie befreien konnten. Auch sie hatte gesagt: „Mir geht es gut. Nur manchmal schmerzen die Schultern.“

Behandlung 1

Außerordentlich geehrt habe ich mich gefühlt, dass ein Priester zu mir kam. Er hat einige Zeit gesessen und zugeschaut und ließ sich dann selbst behandeln. Ein weiser Mann, der schon sehr vielen Menschen Kraft und Liebe und den Segen der Götter gegeben hat. Seine Augen hatten eine beeindruckende Kraft und Klarheit und sein Lächeln werde ich nicht vergessen.

Das war sehr besonders für mich.

Am Abend hat mich mein lieber Siri wieder nach Hause gefahren. Wir haben uns beide so gefreut, uns zu sehen!

Ein paar Runden um die Stupa muss ich jeden Abend noch gehen, egal wie kaputt ich bin. Jetzt ist viel los, die Menschen kommen von der Arbeit. Und was tun sie? Sie schleppen Säcke mit Sand und Zement hoch über wackelige Leitern, damit die Stupa bald wieder repariert ist und im alten Glanz erstrahlen kann.

Aufbau Stupa

Nun ist es Zeit für das Abendessen. Der Brief ist lang geworden, doch es war mir ein Bedürfnis, Euch an all dem teilhaben zu lassen, was ich hier erlebe.

Alles Liebe für Euch, Katharina

 

05.04.2016

Hallo Ihr Lieben,

die Tage zwischen meiner letzten Mail und heute waren ausgefüllt von Arbeit. Manchmal, wenn Siri mich abends wieder in Boudha abgeliefert hat, war ich so kaputt, dass ich nur noch schnell gegessen habe.

Aber es hat sich gelohnt! Wir haben unseren TOGETHER Nepal Fund for Woman and Children gegründet. Als erstes erhalten von dem Geld 20 Frauen ein dreimonatiges Training zum Stricken von Mützen, Pullovern etc. Pradibna übernimmt den Vertrieb, 50% vom Erlös geht an die Frauen, 50 % zurück in den Fund. Wenn das nicht nachhaltig ist! Bereits beim Training erhalten sie einen kleinen Lohn und Essen. Ausgewählt wurden Frauen, die aus verschiedenen Gründen in schwierigen Verhältnissen leben, um ihnen die Möglichkeit zu wirtschaftlicher Selbständigkeit und genauso zu mehr Selbstwertgefühl zu geben. Mir war ganz wichtig, dass dabei auch noch Grundregeln zur Hygiene vermittelt werden. Das hat zwar mit dem Stricken gar nichts zu tun, doch das Bewusstsein für Gesundheitsvorsorge ist noch nicht weit gediehen. Die Kinder lernen solche Dinge in der Schule, wenn die Mütter es aber nicht mitmachen, verläuft dieser gute Ansatz im Sande. Mit den gleichen Händen, mit denen die schmutzigsten Arbeiten verrichtet werden, wird gegessen – selbstverständlich ohne Besteck. Dass ich meine Hände nach der Toilette sogar mit Seife waschen wollte, wurde höflich toleriert.

Gesundheitsvorsorge und der Zuschuss zu medizinischen Behandlungen, die nicht selbst bezahlt werden können, ist also der nächste Zweck des Funds.

Außerdem bekommen 2 Ladies die Ausbildung in einem – seriösen – Massagesalon. Ihre Fähigkeiten stellen sie dann auch den Frauen des Dorfes zur Verfügung, die eine gekonnte, liebevolle Berührung wirklich bitter nötig haben.

Also ich bin wirklich rundum zufrieden mit dem Projekt!

Mit unseren 17 Patenkindern und ihren Müttern haben wir das am Samstag gefeiert. Die Männer (also 4 von ihnen) haben gekocht, die Kinder gespielt und gemalt, die Frauen getan, was sie immer tun – geratscht – und am Schluss haben sie noch gesungen und ich habe gemeinsam mit ihnen das Tanzbein geschwungen.

Picknick1 A

Picknick Tanz

Wenn ich zurückblicke auf die Behandlungen, habe ich da bei den meisten Menschen, die gekommen sind, eine Besserung erreichen können.

So habe ich mich heute mit einem guten Gefühl verabschiedet. Es gibt noch so viel zu erzählen und das möchte ich auch gern tun, wenn ich wieder zurück bin. Dann gibt es auch Fotos zu sehen, das Internet hier ist zu schlecht, um sie anzuhängen.

Morgen werde ich noch ein bisschen herum bummeln, noch eine Frau treffen, die vielleicht TOGETHER Nepal unterstützen will, und dann steige ich Mittwoch früh in den Flieger.

Namaste Nepal – Ich komme wieder!
Alles Liebe für Euch
Katharina

 

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